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Schwalheim

Wegen der Möglichkeit, Salz zu gewinnen, und wegen seiner Quellen suchten schon 5. Jahrhundert vor Christus Menschen jene Gegend am Flüsschen Wetter auf, wo heute das Dorf Schwalheim liegt.

Vor- und Frühgeschichte

Seinen Namen verdankt Schwalheim seiner besonderen Lage an der Wetter, denn der alte Ortskern wird im Norden, Süden und im Westen von dem Flusslauf umschlossen, der auch Pate stand für die gesamte Wetterau. Wenn man nun den Namensteil "Schwal" - nach älteren Schreibweisen auch "swal" oder "Sval" - mit dem Wallen oder Schwallen des Wassers deutet, wäre der Name nur die Lagebezeichnung des Ortes, das "Heim am wallenden Wasser". Nach anderen Interpretationen ist jedoch das Wort „Schwal" weiter nichts als der frühere (mittelalterliche Name) der Wetter.

Etwa ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. wurde in unserer Gegend eine keltische Bevölkerung sesshaft, die besonders in Bad Nauheim entlang der Usa Salzgewinnung und Salzhandel zu einer ersten Blüte führten.
Ungefähr mit dem Beginn des ersten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung wurden die Kelten allmählich durch die Wanderbewegungen germanischer Stämme aus dem mitteldeutschen Raum überwandert und z. T. auch nach Westen hin abgedrängt. Die ersten Germanen, die sich hier niederließen, gehörten wahrscheinlich der Völkergruppe der Sueben an. Mit diesen hatten sich dann auch die Römer auseinanderzusetzen, als sie im 1. Jahrhundert n. Chr. den Limes-Grenzwall errichteten und zu dessen Sicherung auch in unserer unmittelbaren Umgebung Kastelle anlegten.

Noch keine Siedlung an den Quellen

In dieser Zeit der römischen Besetzung erlangte eine besondere Zeit auf Schwalheimer Flur, nämlich die Mineralquellen, wahrscheinlich erstmals einen über die heimatlichen Grenzen hinausgehenden Bekanntheitsgrad. Denn schon die weitgereisten Römer müssen den "Sauerbrunnen“ eifrig genutzt haben. Dies beweisen zahlreiche Münzfunde, die man in der Zeit von 1766 bis 1856 beim Reinigen der Quelleneinfassungen und Röhren immer wieder machte.

Ob in der Nähe der Quellen aber eine Siedlung vorhanden war, erscheint fraglich, obwohl im Jahre 1855 außer Münzen nahe dem Fassbrunnen ein gepflasterter Platz mit Bruchstücken von Gefäßen, die römische Töpferstempel trugen, entdeckt wurde. Es ließ sich daraus nicht schließen, ob es sich um Reste einer römischen Badeanlage oder nur um eine einfache Befestigung des sumpfigen Schöpfplatzes handelte. Für eine feste Niederlassung wäre die verkehrsgünstige Hanglage nördlich des Brunnens eigentlich recht geeignet gewesen, denn in unmittelbarer Nähe befand sich die Gabelung der zwei Römerstraßen von Friedberg nach dem Kastell Arnsburg und nach dem Kastell Echzell.

Die Entstehung und Entwicklung des Dorfes

Nach den Stürmen der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert und dem endgültigen Abzug der Römer auch vom linken Rheinufer im 5. Jahrhundert, entstanden in den Leerräumen allmählich wieder feste Ansiedlungen, wie aus zahlreichen Grabfunden hervorgeht. Viele der von den Römern einst verlassenen Landgüter wurden von Bauern der Umgebung übernommen und weiterbewirtschaftet. Im 6. Jahrhundert wird unsere ganze Region schließlich in das entstehende Frankenreich eingegliedert, wodurch auch in der Wetterau als einheitlichem Fiskalgebiet wieder relativ stetige Verhältnisse geschaffen werden. In dieser Zeit entstand die Mehrzahl der mit "heim" endenden Orte. Im 7. Jahrhundert wurde von den Franken auch die Siedlung "Niwiheim" (Nauheim) gegründet und dort die Salzgewinnung wieder aufgenommen.

Irgendwann in der zweiten Hälfte dieses ersten Jahrtausends ließ sich auch hier, und zwar auf dem Gelände der heutigen Schule, ein fränkischer Ritter nieder. Es bildete sich in unmittelbarer Nähe ein dreieckiger Dorfplatz als Ortskern, der auch heute noch in der oberen Hauptstraße erkennbar ist und bis in unsere Zeit eine Dorflinde trug.

Eine erste Straßenbrücke überquerte den Fluss ‚Wetter‘ etwa im Verlauf des heutigen Buxtonplatzes. Eine zweite, spätere Brücke ist in der Fortführung der gegenüber dem alten Rathaus beginnenden Stichstraße zu suchen und kreuzte die Wetter knapp 100 m östlich der ersten. Die Brücken waren auch der Anlass zur Aufschüttung des sog. "Gewanneküppels". Dieser künstliche Hügel von 100 m Umfang und ursprünglich 3 - 4 m Höhe, der sich unmittelbar neben dem heutigen Sportplatz an der Wetter erhebt, war einmal von einem Wassergraben umgeben und mit einer doppelten Palisadenreihe versehen. Spuren eines Gebäudes konnten jedoch nicht nachgewiesen werden, so dass es sich wohl nicht um eine fränkische Wasserburg - wie zuerst vermutet -, sondern eher um eine Anlage handelte, die neben dem Schutz der Brücken vorallemder Einnahme von Brückengeld diente. Den Namen hat die Erderhöhung von den sie ringförmig umschließenden Pflanzstücken, "Gewannen" genannt, erhalten.

Verschmelzung an der Wetterschleife

Die beiden ursprünglichen Teile wuchsen im Laufe der Zeit durch Bebauung des Hanges innerhalb der Wetterschleife - heute obere Hauptstraße und Bergstraße - bis um 1400 zusammen. Die in der Wetterschleife bestehende, geschlossene Ansiedlung wurde etwa von der gleichen Zeit an nach Osten hin durch eine Hainmauer mit vorgelagertem Graben und Astverhau, die Straßen an den Ortsausgängen durch ein Obertor und ein Untertor gesichert.

Bereits um 1400 war ein außerhalb gelegener "frei eigener Hof" und damit auch ein neuer Ortsausgang am sog. "Schiefen Eck" (heute Sparkasse) entstanden. Aus diesem Hofgut entwickelte sich eine (weitere) Mühle, die "Steinmühle".

Das Dorfbild mit dem geschlossenen Ortskern in der Wetterschleife blieb bis ins ausgehende 19. Jahrhundert nahezu unverändert. Erst ab etwa 1900 wurde die Brunnenstraße bebaut und die Lücke zur Winkelniühle nach und nach geschlossen. Auch westlich der Wetterschleife entstand im gleichen Zeitraum entlang der Salinenstraße das sog. "Goldschmiedsviertel".

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach den Schrecken des Krieges musste auch unsere Gemeinde mit dem ungeheuren Flüchtlingsstrom aus den ostdeutschen Gebieten fertig werden. Viele der Neubürger begannen ab Mitte der 50er Jahre, sich eigene Wohnungen zu schaffen. Mit Beginn des Wirtschaftswachstums setzte wieder eine stärkere private Bautätigkeit ein. In den 60er und 70er Jahren wurde deshalb, nachdem auch der Promenadenweg beidseitig bebaut war, das Obstbaugebiet des "Wingert" als Bauland ausgewiesen und nacheinander erschlossen.

Seit der Gebietsreform 1972 gehört Schwalheim zur Stadt Bad Nauheim und hat 2.130 Einwohner (Stand: 30.06.2012).

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