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Schwalheim

Wegen der Möglichkeit, Salz zu gewinnen, und wegen seiner Quellen suchten schon 5. Jahrhundert vor Christus Menschen jene Gegend am Flüsschen Wetter auf, wo heute das Dorf Schwalheim liegt.

Anfänge kirchlichen Lebens in Schwalheim

Im Mittelalter haben die Schwalheimer bis zur Errichtung einer eigenen Kapelle in der Nähe der Wetter (Brückenkapelle) den Gottesdienst auf dem Johannisberg (Bergkirche) und in der Nauheimer Dorfkirche besucht. Auch die Gläubigen der umliegenden Gemeinden Nieder-Mörlen, Ossenheim, Dorheim, Steinfurth und Rödgen besuchten diese zentral liegenden Kirchen.

Schwalheims erstes Gotteshaus war wohl keine Dorfkirche, sondern eine schlichte Brückenkapelle 200 Meter unterhalb des Dorfes an der Dorfmühle (Brückenmühle) im Bereich des heutigen Buxtonplatzes. Die wichtige östliche Handelsstraße (Salzsiederstraße) führte hier mittels einer Furt durch die Wetter, ebenso war hier ein Hospital gegenüber dem Gewannenküppel existent (Bereich heutiger Schützenhof).

Die vorgenannte Brückenkapelle diente zunächst nicht für die Belange der Dorfbewohner, sondern für die Benutzer der Straße und für die Insassen des Hospitals, das im Zusammenhang mit der Brückenkapelle entstand. Es war üblich, an Flussübergängen von Bedeutung Einrichtungen zu erschaffen, die ermöglichten, ein Gebet zu verrichten, sich seelisch und leiblich zu stärken, über Nacht eine Bleibe zu haben und in Krankheitsfällen liebevolle Pflege genießen zu können.

Aufgrund der baulichen Erweiterung des Dorfes Schwalheim vom Zentrum (heutiger Schulberg) in Richtung Mühle/Hospital und der damit verbundenen Erhöhung der Einwohnerzahl wurde gegen 1306 die Brückenkapelle zu einer Kirche erweitert.

Mit Beginn des 15. Jahrhunderts gab es einige Veränderungen: Die Furten hatten ihre einstige Bedeutung verloren, weil die Fuhrleute versuchten, die oft sehr schwierigen Durchfahrten zu meiden. Sie bevorzugten den besseren Weg längs der ‚Gänsweide‘, entlang der heutigen Bad Nauheimer Straße . Aus dem Jahre 1504 liegt ein direkter Beweis für die Existenz einer ersten Pfarrkirche in Schwalheim vor. Das Dokument besagt, dass sie dem Heiligen Markus geweiht war (Markuspfarrkirche). Sie war eine Pfarrkirche, d. h. die Gemeinde hatte einen eigenen Pfarrer. Der Wunsch zu einer eigenen Kirche wurde wohl erst stark, als der Ausbau des Dorfes längs der Bergstraße und der Hauptstraße nach den Mühlen zu erfolgt war und die Gemeinde sich vergrößert hatte. Das erste Gotteshaus mit dem diesen umgebenden Begräbnisplatz wurde so zum Mittelpunkt des Ortes an der Stelle unserer heutigen Kirche. Sie war - wie einige ursprüngliche Fenster und der Bogen des Gewölbes bewiesen - ein Bau des 14. Jahrhunderts mit festem Mauerwerk. Im Mauerwerk befanden sich Nischen zur Aufbewahrung der Gegenstände für den Gottesdient, die zum katholischen Kult gehörten. Die Kanzel ruhte über dem ehemaligen Grabstein eines Geistlichen. Im Schiff der Kirche war – unter dem Sockel einer Säule – eine Beisetzung vorgenommen worden, vermutlich die eines Ritters. Das Dach der Kirche war mit Ziegeln bedeckt. Als Turm diente ein Dachreiter.

Diese alte noch aus katholischer Zeit stammende Kirche (Markuskirche – Vorgängerbau unserer heutigen Kirche) erfuhr im 17. Jahrhundert einige Änderungen: Ende des dreißigjährigen Krieges (1648) entstand das Langhaus, allerdings erbaut mit sehr schlechtem Baumaterial. In den Jahren1656 und 1661 wurden unterschiedlich lange Emporbühnen eingebaut. Entsprechend dem Alter der Kirche waren des Öfteren Reparaturen von Nöten. 1751 war das Kirchendach „in einem gar schlechten Zustand ..., dass der Regen in die Kirche durchtringe und die Menschen in der Kirche nass würden, sodass auch von oben am Boden der Leymen sehr herunterfalle... – eine Kirche, in die man nicht ohne Lebensgefahr gehen könne .“ Eine Hauptreparatur wurde im Jahr 1752/1753 durchgeführt. Trotzdem war sie zwei Jahrzehnte später wieder in schlechter Verfassung.

Die Wirren der Reformation

Die Glaubensrichtung der Kirche in Schwalheim war bis ins 16. Jahrhundert römisch-katholisch. Mit dem Aufkommen reformatorischer Ideen 1550 wurde sie zunächst eine evangelisch lutherische. Als aber 1596 der für unser Gebiet maßgebende Hanauer Landesfürst die Konfession wechselte, musste der Gottesdienst auch im Amt Dorheim nach dem Ritus der Reformierten gefeiert werden. Die evangelisch-lutherische Kirche wurde in eine evangelisch-reformierte Filialkirche der Pfarrei Dorheim umgewandelt, die Kirche wurde neu als Pauluskirche benannt.

Der schon für Nauheim und Dorheim stattgefundene Befehl der Hanauer Regierung beraubte sicher im Jahre 1592 auch die Schwalheimer Kirche ihrer Bilder und Altäre sowie ihres Taufsteins. Entgegen der evangelisch- lutherischen Glaubensrichtung duldeten die evangelisch-reformierten keinerlei Schmuckgegenstände bzw. Verzierungen und Kunstwerke in ihren Gotteshäusern.

Verbunden mit dem Übergang von der römisch-katholischen Lehre zur evangelischen war eine Koppelung der Pfarrei Schwalheim und Rödgen an die Pfarrei Dorheim, jedoch dergestalt, dass beide Pfarreien selbstständig nebeneinander bestehen blieben. Der Pfarrer von Dorheim wurde dann aber auch zugleich Pfarrer von Schwalheim und Rödgen. Man hielt an dieser Regelung fest bis ins Jahr 1968.

Zahlreiche Gemeindeglieder in Schwalheim, Dorheim und Rödgen waren jedoch noch im 17. Jahrhundert Anhänger von Luthers Lehren und weigerten sich, die nüchterneren reformierten Kirchen anzunehmen. Sie bildeten seit 1697 eine selbständige Kirchengemeinde, die für die Glaubensbrüder aus Schwalheim, Dorheim, Rödgen und teilweise auch aus Nauheim in der heutigen Schwalheimer Hauptstraße 40 (Haus Klee, heute Priebe) ein Gotteshaus (Peterskirche) mit eigenem Pfarrer als auch ein eigenes Schulhaus unterhielt. Das Grundstück für die Peterskirche samt Pfarrhaus und Schule wurde als selbständiges Grundstück vom hier vermuteten aber nicht belegbaren Hospital und von dem ebenfalls nicht belegbaren Hospitalgut, dem heutigen Schützenhof, abgetrennt. Erhalten ist von der Anlage nur noch das ehemalige Pfarrhaus (heute Wohnhaus), die Kirche wurde 1803 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Ab 1810 feierte die lutherische Gemeinde ihre Gottesdienste vorübergehend im Obergeschoss des auf demselben Grundstück stehenden Pfarr- und Schulhauses. Diese lutherische Gemeinde in Schwalheim hatte jedoch keinen festen Zusammenhalt: Schon 1734 schieden die Nauheimer Lutheraner aus und gründeten eine besondere lutherische Pfarrei in Nauheim und 1746 folgten die Dorheimer, in dem sie sich der Nauheimer Gemeinde anschlossen. Alsbald schloss sich auch die Pfarrei Schwalheim - nach dem Tode ihres lutherischen Pfarrers Johann Andreas Seiler - der lutherischen Pfarrei Nauheim an.

Überörtliche Bemühungen führten 1818 zur Hanauer Union, das heißt zur Vereinigung der Reformierten und der Lutheraner. Auch in Schwalheim wurden 1818 die reformierte Kirchengemeinde und die lutherische Kirchengemeinde zu einer evangelischen unierten Kirchengemeinde zusammengefasst. Die evangelische (unierte) Pfarrei Schwalheim war seitdem mit der evangelischen (unierten) Pfarrei Dorheim gleichberechtigt verbunden. Bemerkt sei, dass im Jahr 1850 von Seiten der Schwalheimer Gemeinde, die teilweise mit dem Dorheimer Pfarrer Engel in Unfrieden lebte, Versuche unternommen wurden, eine Besetzung der Pfarrei Schwalheim mit einem eigenen Geistlichen herbeizuführen. Die Versuche scheiterten an dem Widerstand des Hanauer Konsistoriums.

Dieter Heier und Thomas Emich

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