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Die Schwalheimer Orgel

Eine alte Orgel ging nach Wisselsheim. Dann dauerte es, bis das heutige Instrument kam. Schuld daran: eine qualitativ bescheidene Zwischenlösung und die Inflation 1923.

Mit Bau der neuen – der heutigen - Kirche in den Jahren 1850/1851 wurde auch eine neue Orgel auf der Empore auf der Westseite eingebaut. Die erste Orgel wurde von der Fa. U. Ratzmann aus Hanau/Gelnhausen errichtet. Jedoch bereits nach gut 50 Jahren war diese Orgel in einem unbeschreiblichen Zustand. 1907 wurde ein Angebot für eine neue Orgel von der Licher Firma Förster und Nicolaus eingeholt. Dieses erschien jedoch den Kirchenoberen zu hoch und man beschloss, erst eimal Kapital anzusammeln. 1917 wurde für die noch funktionierende alte Orgel ein elektrisches Windgebläse angeschafft. Die mit Beginn des ersten Weltkrieges eintretende Inflation machte das gesparte Geld zunichte und der Kauf einer neuen Orgel rückte in weite Ferne. Der Verfall der alten Orgel zwang jedoch den Kirchenvorstand, 1927 über eine Ersatzinvestition zu beschließen. 1928 wurde die heutige Orgel von der Firma Förster und Nikolaus eingebaut.

Neue Orgel von Firma Ratzmann (Hanau)

Der Bau einer neuen Orgel wurde an U. Ratzmann in Hanau/Gelnhausen für 1.450 Gulden (rund 2.485,0 Mark) übertragen. Für Änderungen an den (alten?) Bälgen kamen noch mal 170,0 Gulden hinzu.
Aber bereits nach 50 Jahren war diese Orgel in einem unbeschreiblichen Zustand. In einem Gutachten von 1907 heißt es: Die einstmals jedenfalls prächtige Orgel ist durch gewissenlosen Behandlung beim Stimmen, vielleicht auch durch das Wetter gründlich ruiniert. Es fehlen ganze Register. Andere sind teils ganz, teils stückweise unbrauchbar. Auch die Pfeifen. Ein Register scheint aus verschiedenen Orgeln zusammengesetzt zu sein, da die Pfeifen teils gedeckt, teils offen sind.

Erster Versuch einer Neuanschaffung

Es wurde daher 1907 Fühlung mit der Firma Förster und Nicolaus in Lich aufgenommen um einen Kostenvoranschlag für eine neue Orgel einzuholen. Man erhielt ein Angebot, dass sich auf 5.100,00 bzw. 5.620,00 Mark belief. Es erschien der Kirchengemeindevertretung für den Augenblick zu hoch, da keine Mittel zur Verfügung standen. Man beschloss, erst ein Kapital anzuschaffen und dann zu kaufen. Doch ersetzte man im Frühjahr 1917 das Treten der Bälge durch ein elektrisches Gebläse, um beim Spielen nicht mehr das Gefühlt zu haben, es gehe der Orgel der Atem aus.

Die Inflation verbrannte die Ersparnisse

Nach dem ersten Weltkrieg hätte man nun kaufen können, das Kapital war da. Aber es kam die große Inflation und damit die völlige Entwertung des Geldes, es war für die alte Mark nichts mehr zu haben. Der Verfall der Orgel – das gesamte Holzwerk und fast alle hölzernen Pfeifen waren vom Wurm zerfressen – zwang jedoch den Kirchenvorstand schon 1927 ernstlich an die Beschaffung einer neuen Orgel zu denken.

Neue Orgel von Förster & Nikolaus

1928 wurde durch den Kirchenvorstand bei der Licher Orgelbaufirma Förster und Nikolaus eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Das Werk umfasst insgesamt 724 Pfeifen. Der Spieltisch wurde mit zwei Manualen und dem Pedal ausgestattet.
Die Einweihung der neuen Orgel fand am 29.04.1928 statt. Dem Weihegottesdient am Vormittag folgte am Nachmittag ein Konzert, in dem Assessor Delp, Friedberg, das Instrument in all seiner Klangschönheit vorführte. Es wirkten mit: W. Volz als Violinspieler sowie die Sängervereinigung und der Kinderchor Schwalheim unter Leitung von Lehrer Kredel. Paula Seibel trug ein Gedicht vor, dass Oberstudiendirektor Philipps eigens für diesen Tag geschaffen hat.

Ausstattung

Die neue Orgel wurde – wie damals üblich - in pneumatischer Ausführung mit Kegelladen gebaut. (Kleine Bleiröhrchen verbinden den Spieltisch/Tasten und die einzelnen Orgelventile. Der Tastendruck wird nicht mechanisch an das Pfeifenventil weitergegeben, sondern durch Luftdruck.)

Die 724 Pfeifen umfassende Orgel (198 Pfeifen aus Holz, 80 Pfeifen aus Zink, 456 Pfeifen aus Zinn und 46 Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung) wird über zwei Manuale und ein Pedal gespielt.  Eines der beiden Manuale, welches bis g4 ausgebaut ist, ist in der Lautstärke über einen Fußschweller (Walze) regelbar (schwellbar).

Das schwellbare Manual beinhaltet die Register Konzertflöte, Salicional, Aeoline, Vox-celeste, Gedacktflöte und Waldflöte. Das zweite Manual kann über die Register Principal, Viola di Gamba, Bourdon, zwei Octave (2' und 4') und eine Mixtur gespielt werden.

Das Pedal - die mit den Füßen zu spielenden Tasten - kann mit den Registern Subbaß, Octavbaß, Sanftbaß und Salicetbaß gespielt werden.

Zusätzlich ist ein automatisches Piano Pedal eingebaut, das eine Piano-Spielweise der gleich eingestellten Registratur mit nur einer Fußbewegung ermöglicht.

Insgesamt hat die Schwalheimer Orgel 14 Register und zwei Transmissionen, der Tastenumfang der Manuale reicht von C bis g3, der des Pedals von C bis f'.

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