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Rad und Brunnen

Die sehenswürdigen Gebäude in Schwalheim sind vom Wasser geprägt.

Schwalheimer Rad

Im Ortsteil Schwalheim trifft der Besucher auf ein besonderes Stück Industriegeschichte: das Schwalheimer Rad.

Es ist mit einem Durchmesser von 9,80 m eines der größten Wasserräder Europas. Seit seinem Bau durch den Salinendirektor Sigismund Waitz von Eschen von 1745 bis 1748 hat es vier Erneuerungen erfahren. Die letzte erfolgte im Jahr 2014. 

Das am Flusslauf der Wetter erbaute Wasserrad fasziniert noch heute seinen Betrachter. Die Größe ist imposant und fast kann man sich vorstellen, wie es früher unaufhörlich als Teil der Salzproduktionsanlagen gearbeitet hat. Das Wasserrad trieb ehemals mit einem fast 1,0 km langen Holzgestänge ein Pumpwerk an, welches Sole auf die Gradierwerke der Bad Nauheimer Saline beförderte. Dabei ist die Energie bei jeder Radumdrehung noch heute zu spüren. Es besitzt noch 84 Schaufeln, die 1,25 m breit sind.

Das Wasserrad mit der Nummer „Sieben“ war das größte von ursprünglich sieben Wasserrädern der Nauheimer Saline – und wird lokal liebevoll „Großes Rad“ genannt. Die Wasserkunst, so der Fachausdruck, diente ehemals zum Antrieb von sieben Wasserpumpen und sechs Druckwerken. Dabei war das Wasserrad seiner Zeit voraus, denn es lieferte 100 Prozent erneuerbare Energie und verursachte keinerlei Schadstoffausstoß.

Von Beginn an wurden Rad und Kunstgestänge von einem sogenannten Kunstwärter betreut, für den auch das Haus am Wasserrad gebaut wurde. Es steht heute noch dort und versetzt den Besucher in eine andere Zeit. Mittlerweile erfolgt diese Betreuung ehrenamtlich.

Schwalheimer Arbeitskreis Geschichte

Alexander Jung, Klaus Englert

 

Germaniabrunnen und Löwenquelle

„Gott redet und die Quelle springt auf. Gott hat in der Taufe in uns einen Brunnen zum lebendigen Wasser gebohrt“.
Mit diesen Worten begann Pfarrer Dr. Cludius seine Predigt zum Jubiläum der Löwenquelle in Schwalheim am 15.Juni 2003. Mit einem großen Fest feierten die Schwalheimer und ihre Gäste das 100jährige Jubiläum der Schwalheimer Löwenquelle. 1903 wurde die bis heute frei zugängliche Quelle erbohrt und gefasst. Bereits vor dem ersten Weltkrieg bekam die Quellfassung eine Überbauung in Form eines Pavillons. Berühmte Bad Nauheimer Kurgäste wie der Arabische König Ibn Saud und russische Zaren erfrischten sich an der Schwalheimer Löwenquelle. Als vorzügliches Tafel- und Gesundheitswasser sorgte das köstliche Nass bereits 1904 wegen seines hohen Kohlesäuregehaltes für Aufsehen auf der Weltausstellung in St. Louis in den USA.

Aber diese junge Quelle ist nicht die einzige, die Schwalheim zu bieten hat.

20 Meter neben der Löwenquelle fördert der Sauerbrunnen, richtigerweise Germania-Brunnen, auch umgangssprachlich ‚Säuerling‘ genannt bereits seit über 1.000 Jahren nachweislich köstliches Heil- und Mineralwasser zu Tage.

Bekannt schon bei den Römern

Dieser Sauerbrunnen war schon den alten Römern bekannt. Mehr als 100 römische Münzen wurden bei Reinigungsarbeiten in diesem Brunnen gefunden. Ob die Soldaten und Händler sie bewusst hineinwarfen, in der Hoffnung gesund wieder zurück zu kommen?

Auch gab es eine römische Wasserabfüllanlage, die vor allem die Garnison in Friedberg mit prickelndem Mineralwasser versorgte. Die Römer benutzen speziell geformte Tonkrüge, um den Kohlensäuregehalt zu bewahren.

Gut für die Gesundheit

Wer hier Quellwasser holen durfte, der brauchte kein Flusswasser trinken, das mit Typhus oder Ruhr verseucht sein konnte.  So kam es, dass sich die Städte und Ortschaften der Umgebung später Wasserschöpfrechte sicherten. Da diese zu vier verschiedenen Herrschaften (Zwergstaaten) gehörten, musste wiederholt Streit geschlichtet werden. Eine der Regelungen war, dass die Friedberger nur bis 8 Uhr morgens Wasser holen durften. Man stand damals früh auf und war gut zu Fuß.

Nachdem Mediziner die Heilkraft des Wassers festgestellt hatten wurde kurz nach 1779 ein Gebäude zum Empfang der Gäste erbaut, später Brunnenwärterhaus, heute Restaurant. Ein intensiver Handel mit dem Schwalheimer Mineralwasser  begann,  in einem Jahr wurden 150.000 Krüge mit Wasser  verkauft. Ein Teil der Krüge wurde sogar bis nach England und Holland verschifft.

1834-1836 wurde zusätzlich ein schmuckes Kurhaus gebaut, repräsentativer als das erste Nauheimer Kurhaus.  Doch mit dem Durchbruch der Nauheimer Sprudel 1846 und 1855 verlagerten sich die Kuraktivitäten mehr und mehr ins benachbarte Nauheim. So wurde das verlassene Kurhaus 1962 wieder abgerissen.

Das Schwalheimer Wasser ist sehr gesund! Wegen des geringen Natriumgehalts ist es bestens als Trinkwasser geeignet. Durch den Konsum gibt es keine Nebenwirkungen. Vor allem bei Magen- und Darmstörungen ist das Quellwasser sehr zu empfehlen. Außerdem reinigt es Mund und Schleimhäute. Und es schmeckt!

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